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Pöchhacker: "Zurufe berühren mich nicht" Drucken
Dienstag, den 02. Februar 2010 um 00:00 Uhr

Bahn- Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker verteidigt die Leistungsprämien für ÖBB-Manager gegen politische Kritik. Chefkontrollor Pöchhacker: "Die Bahn ist ein hochpolitisches Thema". Die Kritik an der ÖBB nimmt nach dem Verspätungschaos vom letzten Sommer und wegen der Spekulationsverluste zu. Aufsichtsrats-Chef Horst Pöchhacker sieht die Bahn dennoch auf Schiene.

KURIER: Die ÖBB-Vorstände bekommen trotz des Verlustes von fast 300 Millionen Euro aus dem Spekulationsgeschäft mit der Deutschen Bank für 2009 einen Bonus. Sie haben das in der Öffentlichkeit verteidigt. Sind Bonus-Zahlungen in diesem Fall gerechtfertigt?

Horst Pöchhacker: Da muss man eines richtigstellen. Es geht nicht um einen Bonus wie bei Wallstreet-Bankern, die wegen hoher Gewinne etwas oben drauf bekommen, sondern um einen leistungsabhängigen Teil des Gehalts. Der wird ausbezahlt, wenn vereinbarte Ziele erreicht wurden. Das gibt es in vielen Unternehmen.

Welche Ziele?

Der variable Gehaltsanteil hängt nicht nur vom Ergebnis, sondern von der Zielerreichung im operativen Geschäft ab. Daher ist er auch unterschiedlich hoch. 2008 waren die Prämien viel niedriger als in den Jahren davor.

Holding-Chef Peter Klugar hat 2008 wegen Milliarden-Verlusten darauf verzichtet. Wer hat noch verzichtet und wie sieht es für 2009 aus?

2008 war es eine Handvoll Manager, die auf ihre Leistungsprämie verzichtet haben. Für 2009 weiß ich es nicht, es gibt ja noch keine Bilanz.

Die Grünen verlangen, dass man vom früheren ÖBB-Chef Martin Huber wegen der Spekulationsverluste die Abfertigung zurückfordert. Wird das überlegt?

Nein. An den Vereinbarungen, die mit Herrn Huber und auch mit dem früheren Finanzchef Söllinger getroffen wurden, hat sich durch den Vergleich mit der Deutschen Bank nichts geändert.

Zum Thema Personalabbau. Sie selbst haben gesagt, dass die Belegschaft in den nächsten Jahren um rund 5000 auf etwa 38.000 schrumpfen wird müssen.

Der heutige Mitarbeiterstand spiegelt die Struktur wider, die wir seit 2005 hatten. Durch die neue Struktur seit 2009, bei der die Infrastruktur in eine Gesellschaft fusioniert wurde, ist eine bessere Abstimmung mit den Absatzgesellschaften Personen- und Güterverkehr möglich. Das wird sich in den nächsten Jahren auch in einem geringeren Personalbedarf auswirken.

Um wie viel geringer?

Wie viele Mitarbeiter die Bahn braucht, ist Sache des Managements. Aber die Reduktion ist weitgehend über den natürlichen Abgang, der nur zum Teil nachbesetzt wird, möglich. Pro Jahr verlassen rund 2000 Mitarbeiter die Bahn durch Pensionierung oder sie scheiden freiwillig aus. Wenn diese Abgänge nur teilweise nachbesetzt werden, kommt man ohne große Aktionen auf eine beträchtliche Reduktion.

Durch die Fusion im Infrastrukturbereich gibt es dort jetzt fünf Vorstände. Wird die Zahl der "Häuptlinge" auch entsprechend reduziert?

Derzeit sind es fünf, es gibt Überlegungen, dass in Zukunft einige Manager Verantwortung in einem anderen Bereich, etwa unterhalb der drei Aktiengesellschaften, übernehmen.

Die neue Struktur bringt auch ein großes Problem. Wenn der Verschub in die Absatzgesellschaften verschoben wird, droht den ÖBB der Verlust von 150 Millionen Euro Subventionen.

Wir sind gerade dabei, ein Modell zu finden, das von der EU akzeptiert wird. Wir orientieren uns da an Modellen, die es bei anderen europäischen Bahnen gibt.

Die ÖBB sind, ich zitiere Pöchhacker, "ein Spielball der Politik". Wie stark ist der politische Einfluss?

Da werden Dinge verwechselt. Der politische Einfluss ist für mich gleichzusetzen mit dem Eigentümereinfluss. Die Bahn ist ein hochpolitisches Thema, weil sie von hohem öffentlichen Interesse ist. Daher ist es keine Frage, dass sich der zuständige Minister, in welcher Koalition auch immer, um die Bahn kümmert. Ein anderes Thema ist der parteipolitische Einfluss. Zurufe aus den politischen Parteien interessieren mich nicht. Wir haben in den letzten zwei Jahren die Managerposten nach Qualitätskriterien besetzt. Ob sich eine Partei unterrepräsentiert fühlt, ist kein Kriterium für den Aufsichtsrat.

Zur Person: Bahn-"Oberkontrollor" Horst Pöchhacker

Karriere

Der 71-jährige TU-Absolvent (Bauingenieurwesen) startete seine Karriere 1962 beim Baukonzern Porr, 1982 bis 2007 war er Vorstandschef. Seit 2007 ist der zweifach verheiratete Vater Aufsichtsratschef der ÖBB-Holding.

Das Unternehmen

Die ÖBB setzen mit gut 41.000 Mitarbeitern rund fünf Mrd. € um, davon knapp die Hälfte im Personen- und Güterverkehr. 2008 fuhr die Bahn wegen der Rückstellungen für das Spekulationsgeschäfte mit der Deutschen Bank fast eine Milliarde Euro Verlust ein. 2009 wurde die Bahn einmal mehr umstrukturiert, die 2005 getrennten Infrastrukturbereiche Bau und Betrieb wurden wieder zu einem Unternehmen fusioniert.

Quelle: Artikel vom 02.02.2010 17:24 | KURIER | Franz Jandrasits

 

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