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Interview Willi Haberzettl Drucken
Sonntag, den 07. März 2010 um 08:46 Uhr

„So schlimm wie jetzt war es noch nie“ Für Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl haben die Reformen die Bahn beschädigt. Format: Was läuft bei den ÖBB derzeit aus Ihrer Sicht falsch? Haberzettl: Die Prozesse funktionieren leider nicht mehr richtig. Die ÖVP hat 2004 eine Strukturreform durchgeführt, die komplett in die Hose gegangen ist. Eine Eisenbahn ist kein Schraubenunternehmen, sondern ein Betrieb, bei dem alle Teile perfekt zusammenwirken müssen. Derzeit produziert bei den ÖBB jedes Unternehmen für sich allein. Mit dem Ergebnis, dass es – den Infrastrukturbereich ausgenommen – immer schwieriger wird, ein gemeinsames Produkt zu erzeugen. Die Holding gehört operativ gestärkt, damit sie steuernd eingreifen kann.

Format: Warum haben Sie zuletzt mit einem Streik gedroht?

Haberzettl: Wir werden streiken, wenn per Gesetz in den Kollektivvertrag eingegriffen wird. Im Pensionsbereich befinden wir uns mitten in einer bereits 1997 mit SPÖ und ÖVP vereinbarten Umstellungsphase. Dabei wird das Eisenbahnerpensionsrecht dem System der Bundesbeamten gleich- bzw. gleichwertig gestellt. Zudem operiert Staatssekretär Lopatka mit falschen Zahlen und Halbwahrheiten.

Format: Was müsste bei den ÖBB denn jetzt geschehen?

Haberzettl: Wir haben uns beinahe zu Tode gespart, so schlimm wie jetzt war es noch nie. Früher war es so, dass bei Verspätungen beispielsweise aus Tirol in Salzburg ein Ersatzzug zusammengestellt wurde, der außertourlich und pünktlich die Passagiere von Salzburg nach Wien brachte. Solche Kapazitäten haben wir heute nicht mehr.

Quelle: Format

 

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