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Patt bei Brenner-Basistunnel Drucken
Samstag, den 06. März 2010 um 00:00 Uhr

Bahnausbau. Das Jahrhundertprojekt Brennertunnel könnte an innerösterreichischen Finanzstreitigkeiten und Budgetnöten scheitern. Brüssel (SN). Eines der größten Bahnprojekte Österreichs könnte in den Mühlen der Politik zerrieben werden. Der Baustart für den Brenner- Basistunnel (BBT), mit 55 km der zweitlängste Tunnel der Welt, sollte laut Plan noch heuer erfolgen. Mittlerweile räumen aber sogar in das Projekt involvierte Personen ein, dass das "ambitioniert" ist. Jede weitere Verschiebung des Baubeginns würde allerdings die vor 2025 ohnehin kaum mehr realisierbare Fertigstellung weiter nach hinten verschieben. Angesichts der angespannten Budgetlage in Österreich und Italien könnte dies letztlich sogar das Aus für das Jahrhundertprojekt bedeuten.

Im Infrastrukturministerium wird betont, dass mit dem Bau am Hauptstollen "raschest möglich" begonnen werde. Voraussetzung dafür sei allerdings ein Regierungsbeschluss. Und dieser hänge wiederum daran, dass sich ÖBB und die italienische Bahn RFI auf die Details der Projektabwicklung und Land Tirol und Bund auf den jeweiligen Kostenanteil einigen.

Tirol ist ebenso wie die ÖBB mit 25 Prozent an der Errichtungsgesellschaft der Brenner Basistunnel BBT SE beteiligt. Die anderen 50 Prozent halten die italienischen Staatsbahnen. Nach dem Wunsch des Finanzministeriums soll sich das Land mit 300 Mill. Euro beziehungsweise zehn Prozent am österreichischen Teil der Kosten (rund drei Mrd. Euro ohne Finanzierungskosten) beteiligen. Tirol ist das immer noch zu viel. Das Tauziehen geht seit Monaten. Als Ausweg hat der Bund schon angedacht, die Tiroler Anteile zu übernehmen, heißt es aus informierten Kreisen. Die Konstruktion sei ohnehin ein "Murks". Im Büro von Landeshauptmann Günther Platter will man diese "Gerüchte" nicht kommentieren. Am Mittwoch gab es bei einem Treffen mit Finanzminister Josef Pröll keine Annäherung, man einigte sich auf weitere Gespräche. "Das grundsätzliche Bekenntnis zum Tunnel steht jedoch beiderseits außer Frage", ließ Platter ausrichten. Es gebe "keine Alternative, um die Menschen in Tirol vom Lkw-Transit zu entlasten".

Anders sehen das Verkehrsexperten, wie der Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien, Sebastian Kummer. Er hat schon 2006 den Effekt des BBT angezweifelt. Seiner Meinung nach wurden die Annahmen über den künftigen Verkehr übertrieben, daher werde sich der Tunnel niemals rechnen. Daher rät er, das Projekt auf eine Tunnelröhre (plus Rettungsstollen) zu reduzieren, was etwa ein Drittel der Kosten sparen würde.

Im Verkehrsministerium stößt die Idee auf wenig Gegenliebe. Die BBT-Planung basiere auf jahrelangen, gründlichen Analysen. Es wäre "fahrlässig zugunsten einer kurzfristigen Verbilligung dauerhafte Kapazitätsbeschränkungen, und damit letztlich langfristig höhere Kosten in Kauf zu nehmen", ließ Bures ausrichten.

Die EU-Kommission, die 786 Mill. Euro oder 27 Prozent der Kosten bis 2013 für den BBT bereitgestellt hat, erwartet, dass der Bau des Hauptstollens noch heuer beginnt. Der Probestollen sei in Arbeit, daher sei die Kommission zuversichtlich, "dass das Projekt jetzt auf Schiene ist", betont der Sprecher des neuen Verkehrskommissars Siim Kallas. Doch auch Brüssel ist seit Monaten säumig, was die Bestellung eines Nachfolgers für den verunglückten Brennerkoordinator Karel Van Miert angeht. Jetzt wird sie für den späten Frühling in Aussicht gestellt.

Quelle: Salzburger Nachrichten

 

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