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Aufseher Pöchhacker muss wichtige Weichenstellungen vornehmen Drucken
Dienstag, den 09. März 2010 um 14:29 Uhr

Bahn: ÖBB-Holding soll gestärkt hervorgehen. Verbund-Manager Kern scheint als neuer Chef der ÖBB fix zu sein. Konzern-Töchter kommen fester an die Kandare. Wien. (fst) Personell steht bei der heute, Dienstag, stattfindenden Aufsichtsratssitzung der Bahn im Mittelpunkt, wer der neue Bahn-Boss wird. Wobei seit einigen Tagen der SPÖ-nahe Verbund-Vorstand Christian Kern als heißester Kandidat gilt. 35 bis 40 Personen sollen sich um den Job beworben haben, darunter auch Franz Seiser, Chef der ÖBB-Werkstätten.

Strukturell jedoch geht es um die Frage, wie in Zukunft die Aufgabenverteilung innerhalb des ÖBB-Konzerns erfolgt. Von der Zusammenlegung der Teilgesellschaften Infra-Bau und Infra-Betrieb angestachelt haben die Eisenbahner - nach einer Phase der De-Zentralisierung, die offiziell mit dem Amtsantritt von Noch-Boss Peter Klugar 2008 begann - die Stärkung der Holding im Sinn. "Mit einer Stimme zu sprechen" lautet das Ziel, heißt es aus informierten Kreisen. Die ÖBB sollen viel stärker als bisher von der Muttergesellschaft aus gesteuert werden. Die bisherige Festlegung, dass die Holding die "strategische Leitgesellschaft" des ÖBB-Konzerns ist, muss wohl geändert werden.

Unabhängig davon, ob sich der als neuer Bahn-Chef kolportierte Christian Kern im letzten Moment noch auf einem Abstellgleis wiederfindet oder tatsächlich den Sprung nach ganz oben schafft: Die Konzern-Absatztöchter Personenverkehr (PV) und Güterverkehr (GV) kommen stärker als bisher - etwa soll der Bahn-Chef in Zukunft Boss des PV- und GV-Aufsichtsratsgremiums sein - an die Kandare der Holding. Auch das Vereinheitlichen von scheinbaren Kleinigkeiten, die jedoch das Betriebsklima teils stark belasten (zum Beispiel dass die ÖBB den Lokführern für Grenzübertritte die Reisepässe zahlen, den Zugbegleitern jedoch nicht), sollte mit der Stärkung der Holding leichter durchsetzbar sein.

In den roten Zahlen?

Eine wahre Bombe könnte indes bei der Bilanz der ÖBB für 2009 platzen: Einigt man sich nicht mit dem ÖVP-dominierten Finanzressort, dürften bis zu eine Milliarde an Rückzahlungen und insofern Rückstellungen für möglicherweise falsch versteuerte Billigtickets von ÖBBlern und für unrichtig verrechnetes Pflegegeld fällig werden. Bei den Rückstellungen entfallen rund 700 Millionen auf die Billigfahrten und rund 400 Millionen auf das Pflegegeld.

Die Zahl von einer Milliarde wurde jüngst sowohl von ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker als auch vom obersten Eisenbahnergewerkschafter Wilhelm Haberzettl genannt.

Quelle: Wiener Zeitung

 

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