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Ein Mann mit Zug zur Nummer eins Drucken
Mittwoch, den 10. März 2010 um 00:00 Uhr

Christian Kern soll ab Sommer die Führung der ÖBB übernehmen. Christian Kern gilt als Blitzchecker: Journalist blieb er nur zwei Jahre. Ein redlicher Beruf zwar, edel und gut, aber die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten... Der heute 44-Jährige stellte seine Weichen früh auf Karriere um. Als designierter Chef der ÖBB hat er nun den ultimativen Zielbahnhof erreicht. Mehr Mitarbeiter hat kein anderer Betrieb in Österreich. Das Ticket zu diesem schwierigen Top-Job: Am besten eine rote ÖBB-Vorteilscard.

Seit Jahren soll die SPÖ Kern ganz oben auf der Liste für Top-Jobs geführt haben. Erst als Büroleiter von Beamten-Staatssekretär und Klubobmann Peter Kostelka, später als rechte Hand des ebenfalls SP-zugetanen Verbund-Vorstands Hannes Sereinig glänzte Kern mit geschliffener Rhetorik. Stromlinienförmig der Weg zum Vorstandsmitglied des größten österreichischen Energieversorgers, wo er zuletzt knapp 586.000 Euro Salär samt Bonus für seinen Job bekam. Nachdem nicht Kern, sondern Wolfgang Anzengruber vor gut einem Jahr zum Verbund-Boss bestellt wurde, fiel Kerns Name immer wieder im Zusammenhang mit wichtigen Führungsaufgaben, bei denen es auch politische Qualitäten braucht. Bei der Post etwa. Da winkte er ab.

Perfekt gestylt, jugendlich, dynamisch, ehrgeizig, kommt Kern daher. Ob ihm das Lenken der ÖBB zuzutrauen ist, beantworten Kerns Weggefährten mit Ja. Er könne den Interessensausgleich schaffen, rieselt es rote Rosen.

Aber im Räderwerk der staatlich durchfinanzierten ÖBB mit ihrem Urgestein-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl sind noch alle mit ihren Reformvorhaben stecken geblieben. Nach Draxler, vorm Walde, Huber zuletzt Peter Klugar. Der war seit der Affäre um illegal gespeicherte Krankendaten völlig auf Tauchstation.

Kern taucht gern privat im Stadion ab, im Horr-Stadion. So oft wie möglich gibt er sich die Spiele der Austria. Eine der wichtigsten Fußball-Erkenntnisse: Nicht jeder gute Fußballer ist ein guter Trainer. Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich zudem alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft, wusste schon Jean Paul Sartre. Gilt immer, aber im Besonderen für Aufsteiger.

Quelle: Kleine Zeitung

 

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