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Schon wieder ein neuer Chef bei den ÖBB: Aufsichtsratsvorsitzender Horst Pöchhacker erklärt, warum. Drucken
Donnerstag, den 11. März 2010 um 00:00 Uhr

"Nicht aufs Parteibuch schauen . . ." "Wir müssen bei der Bahn vor allem an der Zufriedenheit der Kunden arbeiten", sagt Horst Pöchhacker. "Es geht um Pünktlichkeit, Sauberkeit und Service." Herr Aufsichtsratsvorsitzender, ist die Diskussion um die Nachfolge von ÖBB-Chef Peter Klugar in ruhigen Bahnen verlaufen?

Doch, wir waren uns schnell einig und haben mit Christian Kern und Franz Seiser ein gutes Team für die Zukunft der Bahn gefunden.

Christian Kern ist nunmehr der vierte ÖBB-Chef innerhalb von sechs Jahren. Warum hat sich der Posten zum Schleudersitz entwickelt?

Helmut Draxler war bis zur schwarz-blauen Wende eine international anerkannte Größe als ÖBB-Chef und ein unumstrittener Fachmann. Seine Ablöse war damals eine rein politisch motivierte Entscheidung.

Ein guter Mann musste gehen, und damit begann das Chaos?

Ich war damals beim Chef der Deutschen Bahn Harmut Mehdorn, und er meinte nur: "Ihr Ösis, seids komische Menschen, so jemanden wie den Helmut Draxler schickts ihr in die Wüste". Dann kamen Rüdiger vorm Walde und später Martin Huber und Erich Söllinger, beides intelligente Manager, aber keine Eisenbahn-Fachleute. Peter Klugar verstärkte das Team später und löste dann, nach den bekannten Aufregungen, Huber als Chef ab.

War der aktuelle Chef, Peter Klugar, somit eine Zwischenlösung?

Er erfüllt seinen Vertrag ganz normal, daher kann man nicht von einem kurzfristigen Platzhalter sprechen.

Sein Nachfolger Christian Kern soll kolportierte 100.000 Euro Jahresgage mehr als sein Vorgänger erhalten. Wie argumentiert man das in Zeiten der Krise und des Sparens?

Christian Kern wird nicht mehr verdienen als in seiner aktuellen Funktion beim Verbund und weniger als Martin Huber als ÖBB-Chef. Auch in Krisenzeiten muss es möglich sein, fähige Manager für das Unternehmen rekrutieren zu können, und da gibt es einen gewissen Marktwert.

Bundeskanzler Werner Faymann fordert, dass Managergehälter, die inklusive Boni 500.000 Euro übersteigen, nicht mehr von der Steuer absetzbar sein sollen. Wie stehen Sie zu diesem Ansatz?

Da für mich die Freude an der Arbeit der größte Motivationsfaktor ist, beschäftigen mich diese Eingrenzungen nicht. Das sollen andere Manager kommentieren.

Der ÖVP-Ferdinand-Maier kritisiert, dass durch die Neubestellungen der ÖBB-Vorstand nicht in erwünschter Weise verkleinert wurde, um Gagen zu sparen. Wie argumentieren Sie dagegen?

Bei einem Unternehmen in der Größenordnung der ÖBB, mit Zehntausenden Beschäftigten und Millionen Kunden, wäre es irrwitzig, das Budget sanieren zu wollen, indem man Fachleute einspart! Wir brauchen jemanden, der sich mit Finanzen auskennt, jemanden, der technisch versiert ist und jemanden, der den Markt einschätzen kann. In anderen Firmen wird das auf fünf, sechs Führungskräfte delegiert. Der Ferry Maier ist bekannt für seine scharfen Sprüche, und es stört ihn halt, dass sich eine rot-schwarze Postenaufteilung nicht mehr spielt

Sie sind seit 1976 SPÖ-Parteimitglied. Hat für Sie die Bahn als Unternehmen aus ideologischer und historischer Sicht eine Sonderstellung?

Beide Elternteile waren Eisenbahner, somit bin ich dem Unternehmen emotional natürlich besonders verbunden. Parteimitglied bin ich vor vielen Jahren durch den Freundeskreis geworden, es hat aber in der Arbeit nie eine Rolle gespielt. Dass man sich zur Sozialdemokratie bekennt, ist eine Sache, aber für Unternehmensentscheidungen ist zum Beispiel ein Parteibuch kein Kriterium. Es gibt keine politische Farbenlehre, sondern eine rot-weiß-rote Infrastruktur.

Was werden die größten Herausforderungen für die ÖBB-Führung in den kommenden Jahren sein?

Wir befinden uns an dieser Schnittstelle zwischen Politik, Bürokratie und Wirtschaft. Einerseits sind wir angewiesen, betriebswirtschaftlich zu agieren, andererseits haben wir volkswirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Meistens wird das nicht auseinander gehalten, und es wird uns wieder ein Sieben-Milliarden-Minus und ein Schuldensumpf vorgehalten. Es muss uns gelingen, nach außen zu kommunizieren, dass wir ja in die Infrastruktur, in die Zukunft des Landes investieren. Dafür müssen wir aber auch an der Kundenzufriedenheit arbeiten.

Sie haben Verständnis für die Beschwerden Ihrer Kunden?

Selbstverständlich. An unserem Internet-Auftritt müssen wir arbeiten und auch bei der Pünktlichkeit und der Reinlichkeit der Garnituren. Zu den Verspätungen kommt es oft aus ganz banalen Gründen: Die Türen des Railjets öffnen und schließen zum Beispiel fünfmal, bevor er losfährt, weil die Raucher noch schnell bei den Waggontüren hinauspaffen wollen, bevor der Zug wieder abgeht.

Und wo sehen Sie Sparpotential innerhalb der ÖBB?

Wir sollen als Konjunkturmotor dienen und Menschen beschäftigen, gerade jetzt in der Krise. Dafür wird die Bahn danach am meisten vom Aufschwung profitieren. Einsparen werden wir durch Auslagerungen. So sind wir jetzt auch eine große Baufirma. Diese Tätigkeiten werden wir vermehrt extern vergeben, wobei wir eigene Fachleute behalten, die das beaufsichtigen und koordinieren.

Eine heitere Abschlussfrage: Haben Sie als Kind gerne mit der Eisenbahn gespielt?

Nein. (Lacht.) Deshalb habe ich jetzt einigen Aufholbedarf!

Geboren am: 16. November 1938 in Wien
Sternzeichen: Skorpion
Chinesisches Sternzeichen: Tiger
Verheiratet mit: Elisabeth
Kinder: Aus erster Ehe Christof (47), Anwalt, und Barbara (46), Zahnärztin
Hört gerne: Jazz und Klassik
Interessen: Leichtathletik, ein bisschen Gärtnern
Sport: Täglich Gymnastik, an Wochenenden und im Urlaub gerne wandern
Liebstes Urlaubsland: Italien
Stammlokal: "Rossini" in der Wiener Schönlaterngasse

Quelle:

 

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