Bund sieht Grundkonsens über
Nahverkehrsreform - Länder zurückhaltend
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25.Mai 05
Verkehr/Straße/Bahn/ÖBB/Reform/Landeshauptleute/Konferenz/Zus
Bund sieht Grundkonsens über Nahverkehrsreform - Länder zurückhaltend
Utl.: Kukacka: Länder und Private sollen Nebenbahnen übernehmen, Vorgespräche
mit Niederösterreich laufen - Niessl fordert vor Verhandlungen Fakten vom Bund -
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Wien/Pamhagen (APA) - Bund und Länder haben heute, Mittwoch, bei der
Landeshauptleutekonferenz im burgenländischen Pamhagen über die Reform des
öffentlichen Regionalverkehrs verhandelt. Das Ergebnis dieser Gespräche
bewerteten die beiden Seiten relativ unterschiedlich.
Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka (V) erklärte, die Landeshauptleute hätten
sich grundsätzlich dazu bekannt, dass die Nahverkehrskompetenz und die bisher
aufgewendeten Bundesmittel auf die Länder übertragen werden sollen und grünes
Licht für die Einrichtung einer politischen Arbeitsgruppe gegeben.
Der derzeitige Vorsitzende der Landeshauptleute-Konferenz, Burgenlands
Landeshauptmann Hans Niessl (S), dagegen sagte nach der Sitzung: Der Bund solle
erst einmal Fakten darüber auf den Tisch lege, was die Reform im Detail umfassen
soll. Danach würden die Länder das finanzielle Angebot des Bundes sehr genau
prüfen - und erst dann könne man auch mit den Ländern darüber reden, dass der
öffentliche Verkehr verländert wird.
Konkrete Beschlüsse, bestätigen beide Seiten, gibt es deshalb noch nicht.
Heißestes Thema bei der Nahverkehrsreform ist die künftige Finanzierung der
Nebenbahnen. Die ÖBB-Infrastruktur will noch bis September eine Gewinn- und
Verlustrechnung für rund 37 in Frage gestellte Nebenbahnen vorlegen. Die
Bundesbahnen verlangen, dass entweder Bund oder Länder mehr für den Betrieb
zahlen. Der Bund schlägt nun vor, dass die ÖBB jene Strecken, die sie nicht mehr
betreiben wollen, abgeben. Länder oder Private könnten die Regionalbahnen dann
übernehmen. Erst wenn sich für eine ausgeschriebene Strecke kein Betreiber
finden sollte, soll die Bahnstrecke eingestellt werden, heißt es im Konzept.
Laut Kukacka haben einige Länder - vor allem Niederösterreich und Tirol -
Bereitschaft signalisiert, hier "rasch zu einer Lösung zu kommen" und
"modellhaft Konzepte zu entwickeln". Andere Länder könnten dann zwei, drei Jahre
später nachziehen. In Niederösterreich sind die meisten von einer Stilllegung
bedrohten Nebenbahnen angesiedelt, in Tirol werden jetzt schon praktisch alle
Nebenbahnen nicht mehr von den ÖBB befahren.
Heftig verhandelt wird auch, wie viel die Länder vom Bund in Zukunft für den
Betrieb des Nahverkehrs bekommen werden. Im Vorjahr hat der Bund 1,09 Mrd. Euro
für regionale Bus- und Bahnverbindungen ausgegeben und damit 65 Prozent der
gesamten Nahverkehrskosten getragen - konkret 61 Mio. Euro zur Förderung der
Verkehrsverbünde, 335 Mio. Euro für Schüler- und Lehrlingsfreifahrt, 410 Mio.
Euro zur Subvention von Pendler-Tarifen, die nur rund 30 Prozent des
tatsächlichen Fahrpreises ausmachen und weitere rund 210 Mio. Euro im Rahmen des
Finanzausgleichs.
In den vergangenen Jahren haben sich diese Ausgaben in Summe um rund 150 Mio.
Euro erhöht. Die Opposition fürchtet, dass durch die Verländerung dieser Mittel
der Bund seine Aufwendungen jetzt deckeln will und die steigenden Kosten den
Ländern und Kommunen überlässt. Kukacka sagte, ob und wie die Mittel in Zukunft
erhöht würden, sei jetzt Gegenstand der Verhandlungen. Ziel sei jedenfalls nicht
die Deckelung der Ausgaben, sondern dass die Länder als Besteller der
Nahverkehrsleistungen auch die Verantwortung für die ausgegebenen
Mittel übernehmen.
Dass der Nahverkehr, wenn er verdichtet werden soll, nicht billiger werde, sei
klar. Durch die Reform solle aber der Trend gestoppt werden, dass der Bund immer
mehr Geld ausgebe, während die Fahrgastzahlen zurückgingen. Bleibe der Trend
unverändert, würde der Anteil des öffentlichen Verkehrs am gesamten Nahverkehr
nach einer Prognose bis 2011 von derzeit 17 Prozent auf 15,6 Prozent weiter
schrumpfen, so der Staatssekretär.
Einen fixen Zeitplan für die Umsetzung der Reform gibt es nicht. Kukacka hatte
zuletzt grundsätzlich einen Stufenplan bis 2008 in Aussicht gestellt. Die Länder
wollen allerdings zuerst eine Einigung über das Gesamtpaket, bevor erste
Teilschritte umgesetzt werden. Ob der erste größere Schritt, die Übertragung der
Verbundmittel des Bundes, den die Regierung bereits per 1.1.2006 anpeilt,
tatsächlich wie geplant erfolgen wird, ist daher offen.
(Schluss) klm/cs