Deutsche Eisenbahner - Länger arbeiten um mehr Lohn

 

APA0232 5 WA 0362                                                                                                          Siehe APA0788/28.02  01.Mär 05

 

Bahn/Tarife/Deutschland

 

Deutsche Eisenbahner - Länger arbeiten um mehr Lohn
Utl.: Tarifeinigung erzielt - Erstmals Mitarbeiterbeteiligung am

      Konzerngewinn - Beschäftigungsbündnis bis 2010 =

 

   Berlin (APA/AP) - Die 140.000 Beschäftigten bei der Bahn müssen ab Juli länger arbeiten und erhalten dafür mehr Lohn. Das ist der Kern des Abschlusses, den die Tarifparteien am Montagabend in Berlin vereinbarten. Er enthält unter anderem ein Beschäftigungsbündnis bis 2010, eine monatliche  Pauschalzahlung bis Mitte 2007 und erstmals eine Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmensgewinn, die rückwirkend für 2004 gezahlt wird. Der Entgelttarifvertrag läuft 28 Monate.

 

   Eckpunkte der Verträge waren bereits Mitte Dezember vereinbart worden. Dabei war unter anderem eine Heraufsetzung des Arbeitszeit-Eckwerts von 38 auf 40 Wochenstunden ohne Lohn- und Gehaltsausgleich vereinbart worden. Dem wollten die Beschäftigten nicht folgen; sie verlangten Nachbesserungen.

 

   Nach dem nun vereinbarten Vertragswerk orientiert sich zwar die Bezahlung an einer 40-Stunden- statt bisher an einer 38-Stunden-Woche, gearbeitet wird aber 39 Stunden. Das minimiert den

Einkommensverlust nach Angaben des Sprechers der Gewerkschaft Transnet, Michael Klein, von 5,2 auf 2,6 Prozent. Um auch diesen zu mildern, vereinbarten die Parteien am Montag eine monatliche

Pauschale von 50 Euro ab Juli 2005 für zwei Jahre. Erst ab 1. Juli 2007 wird das Entgelt um 1,9 Prozent erhöht.

 

   Die 50 Euro bedeuten für die meisten Eisenbahner sogar etwas mehr als 1,9 Prozent mehr Geld, da das Gros der Eisenbahner rund 1.800 Euro im Westen und 1.700 Euro im Osten monatlich verdient. Der Urlaubsanspruch wird um einen Tag verringert.

 

   Die Vorsitzenden der Gewerkschaften Transnet und GDBA, Norbert Hansen und Klaus Dieter Hommel, werteten den Abschluss "als ausgewogenen Kompromiss und Erfolg für die Beschäftigten". Damit sei ein "solides Zukunftsprogramm" auf den Weg gebracht worden.

 

   Für die Bahn bedeutet das Ergebnis nach Angaben ihres Personalvorstands Norbert Bensel eine Entlastung bei den Betriebskosten um 5,5 Prozent. Die Arbeitszeit kann darüber hinaus in

einzelnen Konzernbereichen auf 35 Stunden mit Entgeltanpassung reduziert werden. Bensel sagte, damit würden "die unterschiedlichen beschäftigungsbezogenen Rahmenbedingungen" der Betriebe

berücksichtigt.

 

   Die Mitarbeiterbeteiligung beläuft sich für 2004 auf eine Einmalzahlung von 100 Euro. "Damit wollen wir das Vertrauen unserer Mitarbeiter in den wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens

stärken", erklärte Bahnchef Hartmut Mehdorn. Auch die Auszubildenden erhalten den Bonus. Die Bahn wird für das vergangene Jahr einen Gewinn von 200 Millionen Euro ausweisen. Bis 2010 sollen je nach Ertragssituation zwischen 50 und 600 Euro jährlich ausgeschüttet werden.

 

(Schluss) re/sw