"Druck der Öffentlichkeit wächst"
Ein neues Dienstrecht bedeutet für Reithofer nicht, dass "am nächsten Tag 20.000 Leute auf der Straße sitzen".
ÖBB-Aufsichtsratschef Wolfgang Reithofer hofft, dass das Dienstrecht bei den
Bundesbahnen in drei bis fünf Jahren genauso gestaltet sein wird wie in normalen
Unternehmen. Er könne sich nur für einzelne Mitarbeiter "vielleicht" andere
Regelungen vorstellen. "Irgendwann wird der Druck der Öffentlichkeit größer
werden, hier etwas zu tun", meinte er in der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast".
Keine Angst vor Streiks
Es sei ja auch nicht einsehbar, dass es bei den Eisenbahnern die
Sonderregelungen gebe, betonte Reithofer. Vor Streiks der Gewerkschaft fürchtet
sich der Aufsichtsratschef nicht. Diese seien keine Lösung der Probleme. Und
Änderungen im Dienstrecht würden auch nicht bedeuten, "dass die ÖBB am nächsten
Tag 20.000 Leute auf die Straße setzt". Letztlich sei es aber Aufgabe der
Politik, hier Änderungen umzusetzen.
ÖBBler verleihen
Positiv sieht es Reithofer, dass Bedienstete, für die keine Beschäftigung im
Unternehmen mehr vorhanden ist, nun an andere Betriebe ausgeliehen werden
können. Zur aktuellen Diskussion um den Einsatz von ÖBBlern in der Justiz wollte
er sich jedoch nicht näher äußern: "Ob Gefängniswärter das Ideale ist, will ich
nicht beurteilen." Einzelne würden das aber sicher gerne machen.
Ausbau der Westbahn
Bezüglich der Priorität der Verkehrsprojekte betonte der Aufsichtsratschef
einmal mehr, dass ein beschleunigter Ausbau der Westbahn an die Spitze zu
stellen sei. Für Reithofer macht aber auch der Koralm-Tunnel in Verbindung mit
dem Semmering-Tunnel Sinn. Bezüglich der Finanzierung der Projekte sieht der
Aufsichtsratsvorsitzende beim Brenner-Tunnel eine europäische
Entscheidungsnotwendigkeit, zu den anderen Vorhaben meinte er bloß, man werde
sehen, ob genug Geld da sei, wenn bezahlt werden müsse.
Artikel vom 26.03.2005 |apa |dk