Ein unmoralisches Angebot?
Mit Schreiben vom 07. Februar 2005 an alle MitarbeiterInnen des ÖBB-Konzerns, wird uns ein „besonderes Abfertigungsangebot“ näher gebracht.
Und um ein solches handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht besonders gut für die Beschäftigten, aber dafür umso besser für den „Konzern“.
Zwar hört es sich im ersten Moment für einige sicher interessant an, wenn in Aussicht gestellt wird, dass es bis zu 23 Monatsgehälter gibt, wenn man dieses Angebot in Anspruch nimmt. Andererseits sollte jeder/jede den Rechenschieber zur Hand nehmen, um sich auszurechnen, wie „moralisch“ dieses Angebot tatsächlich ist.
Diese Berechnung muss unter dem Gesichtspunkt erfolgen, dass es einen Kündigungsschutz gibt, dass ein Verbleib im Betrieb bis zum 68. Lebensjahr möglich ist und die vergangenen Jahre sich nicht dadurch auszeichneten, dass „man“ zu den Spitzenverdienern dieser Republik gezählt hat.
Nehmen wir als einfaches Beispiel folgende Daten an. (sind natürlich individuell unterschiedlich)
Beschäftigte/r - Alter: 40 Jahre
Davon: 20 Dienstjahre bei den ÖBB
Verbleiben noch 28 Jahre bis zur Ruhestandsversetzung
Einkommen: ca. € 2.000,00 (brutto)
€
4.000,00 – tatsächliche Lohnkosten lt. Wirtschaftskammer
€ 48.000,00 / Jahr
€ 1.344.000,00 – Lohnkosten für die restlichen 28 Jahre – ohne Gehaltserhöhung!!!
Nicht vergessen werden darf die bisherige Unterzahlung – dafür gab’s ja den „sicheren“ Arbeitsplatz.
Im Durchschnitt waren das – Inflations- und Zins bereinigt - € 300,00 / Monat
20 Jahre = 240 Monate x € 300 = € 72.000,00.
Zu den € 1.344.000,00 muss der Verlust in Höhe von € 72.000,00 hinzugerechnet werden.
SUMME: € 1.416.000,00
Dem gegenüber steht ein Abfertigungsangebot in Höhe von 23 Monatsgehältern.
23 x € 2000 = € 46.000,00
Das entspricht 3,25 %!!!
Auf gut Deutsch: Der Konzern erspart sich 96,75 %!!!
Bei dieser, sicher sehr vereinfachten Rechnung, wird trotzdem deutlich, dass das Verhältnis schlicht und einfach nicht passt. Darüber hinaus blieb auch noch der Pensionsverlust, welcher sich durch einen eventuellen Dienstgeberwechsel ergibt, unberücksichtigt.
Jede/r soll sich selber ein Bild machen ob ein solches Angebot für sie/ihn in Frage kommt. Wir wollen nur zum Nachdenken anregen!!!