Elefant fürchtet sich vor Maus

....oder warum FSE – Gewerkschaftsfunktionäre so empfindlich werden!

Im Zuge der Betriebsratswahlen bei den ÖBB in der Steiermark gab es bei den FSE - Gewerkschaftern (mir sind dabei nur Männer aufgefallen) offenbar eine große Aufregung! Ich hatte mich ‚erfrecht’, einige Kollegen anzurufen um zu fragen, ob sie vielleicht Interesse daran hätten, Informationen über die GUG zu erhalten und evtl. auch eine Kandidatur in Erwägung ziehen.

Offenbar hatte das noch nie jemand vor mir gewagt und so war die Empörung ob dieser Tat bei den FSE - Funktionären groß. Sofort wurden Verdächtigungen ausgesprochen, auf welche Art und Weise ich denn wohl an die Telefonnummern gekommen sei, da könne ja nur Illegalität im Spiel sein. An die Möglichkeit, dass durchaus interessierte Kollegen die Adressen von möglicherweise anderen Interessierten weiter geben könnten, kam man seitens der Gewerkschaftsobrigkeit offenbar nicht. Dass es überhaupt Leute gibt, die dem Gedanken nicht abgeneigt sind, auch außerhalb der FSE zu kandidieren offenbar auch nicht. Das verstärkte offenbar die Empörung noch mehr. Telefonanrufe und ‚dringende Bitten’ seitens der Funktionäre, meine telefonischen Fragen abzustellen, waren die Folge. Nur ließ ich mich nicht davon beeindrucken, im Gegenteil. Da Fragen bekanntlich nichts Illegales sind, setzte ich meine Tätigkeit fort. Tatsächlich kam auch da und dort ein kleines Grüppchen zusammen, das den Mut fand, eine Kandidatur in Erwägung zu ziehen.

Aber wen wundert’s? Kurz vor der notwendigen Bekanntgabe der Kandidaturen, zogen die meisten ihre Absicht zurück und ließen durchblicken, dass sie ‚starkem gewerkschaftlichen Einfluss’ (und alle wissen was gemeint ist?) ausgesetzt waren, der sie dazu bewog, doch lieber nicht zu kandidieren.

JedeR kann sich vielleicht vorstellen, was da abgelaufen sein könnte. Ich kann es mir mittlerweile sehr gut vorstellen, denn die gewerkschaftlichen Gemüter haben sich immer noch nicht beruhigt und reagieren auf meine Versuche, auch ein nur halbwegs freundliches Gespräch herzustellen mit massivsten Vorwürfen und unsachlichsten Argumenten. Aus der ungeordneten Flut der Vorhaltungen kristallisiert sich für mich ganz stark heraus, dass die Angst vor dem bevorstehenden Urteil in der Klage bzgl. des Eingriffs in die Individualrechte bei den ÖBB die Gewerkschaftsfunktionäre in höchste Unruhe versetzt.

Aus der Art der Reaktionen mir gegenüber kann ich – als nicht ÖBB-lerin – mittlerweile gut nachvollziehen, welchem Druck KollegInnen bei der Bahn ausgesetzt sein könnten, die es wagen, eine andere Meinung öffentlich zu verkünden und entsprechend handeln wollen.

Mein Resümee: Die Angst des Elefanten vor der Maus scheint berechtigt. Das lautstarke Quietschen der Maus wurde offenbar weithin gehört!

Ilse Löwe-Vogl

AUGE / UG, Steiermark