Gorbach beerdigt
Brennerbasistunnel
OTS0047 5 WI 0408 NGB0003 II Mi, 20.Apr 2005
Wirtschaft/Verkehr/EU/Maut/GdE/Haberzettl
Eisenbahner: Gorbach beerdigt Brennerbasistunnel
Utl.: GdE-Vorsitzender Haberzettl: "Kuhhandel" des Verkehrsministers
mit EU bedeutet Aus für Brennerbasistunnel =
Wien (GdE/ÖGB) - Wenn Infrastrukturminister Gorbach morgen, Donnerstag, beim
EU-Verkehrsministerrat in Brüssel sein Vorhaben eines "Kuhhandels" wahr mache
und tatsächlich einem Abtausch einer angeblichen Lösung in der Frage der
Brennermaut gegen ein Ja zur EU-Wegekostenrichtlinie zustimme, dann verabschiede
er sich endgültig vom Brennerbasistunnel, kritisierte der Vorsitzende der
Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, Mittwoch in Wien. ++++
Gorbach stimme damit nämlich einer Wegekostenrichtlinie der EU zu, mit der keine
vernünftige Möglichkeit zur Querfinanzierung des Brennerbasistunnels möglich
sei, sagte Haberzettl. Bekanntlich betrage die "gewichtete Durchschnittsmaut" in
Österreich, die als Grundlage für die Querfinanzierung des Tunnels herangezogen
werde, zwischen 22 Cent und 90 Cent pro Kilometer. Das sei bei einem Anteil von
10 Prozent, in Ausnahmefällen bis zu 25 Prozent Aufschlag am Brenner zu wenig:
"Das deckt nicht einmal 10 Prozent der Zinsen des Brennerbasistunnels!" Darüber
hinaus würde mit der EU-Wegekostenrichtlinie die Brennerstraßenmaut insgesamt so
verbilligt, dass niemand den Eisenbahntunnel benützen würde. Insofern sei es nur
konsequent, dass Gorbach für den Bau des Tunnels nicht einen einzigen Euro
budgetiert habe - er rechnet wohl selbst nicht damit, dass der Tunnel je
verwirklicht werden kann.
Zum Unterschied vom Verkehrsminister, der sich als neuer BZÖ-"Steuermann" in
Zukunft noch weniger um die Belange seines Ministeriums kümmern werde als bisher
(und das sei wenig genug gewesen), halte die Gewerkschaft an ihren Forderungen
nach dem Brennerbasistunnel fest, unterstrich der GdE-Vorsitzende: "Österreich
braucht den Brennerbasistunnel dringend um den Alpentransit bewältigen zu
können, aber eben nur gleichzeitig mit einer ausreichend hohen
Brennerstraßenmaut."
Darüber hinaus sei eine flächendeckende LKW-Maut notwendig, forderte Haberzettl,
der darauf hinwies, dass die Briten mit ihrem Plan zur Einführung einer
"Verkehrs-Steuer" eben vormachen, wie dies derzeit schon mit dem EU-Recht
kompatibel sei. Schließlich müsse wenigstens in Österreich der Weg der
Kostenwahrheit zwischen den Verkehrsträgern gegangen werden: Während den
LKW-Unternehmen die Senkungen der LKW-Maut gewissermaßen "am Silbertablett"
serviert würden, erhöhe der Verkehrsminister auf Zuruf seines Finanzministers
die Schienenmaut bis zum Jahr 2010 um 69 Prozent, was sich auf die Bahntarife
verteuernd auswirken werde.
"Was immer Gorbach morgen in Brüssel unterschreiben wird, er dokumentiert damit
die Pleite der österreichischen Verkehrs- und EU-Politik", sagte Haberzettl.
"Österreich hat fünf Jahre lang verabsäumt, sich in Europa strategische Partner
zu suchen und koordiniert gegen den EU-Verkehrswahnsinn vorzugehen. Eine weitere
Pleite der neugefärbten Bundesregierung", schloss Haberzettl. (Schluss)