Gorbach: Gesetz - Haberzettl: Streik
APA0223 5 WI 0402
II Di, 08.Feb 2005
Verkehr/Bahn/ÖBB/Reform/Arbeit/Pensionen/Protest/Gorbach
ÖBB droht neuer Streik im Streit um Pragmatisierung
Utl.: Gorbach will neues ÖBB-Dienstrecht "in den nächsten Wochen" ins
Parlament bringen - Gewerkschaft will bei Gesetzesbegutachtung
streiken - Haberzettl: "Davon können sie ausgehen" =
Wien (APA) - Im Streit um die Abschaffung des Kündigungsschutzes bei den ÖBB
droht jetzt wieder ein neuer Streik. Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert
Gorbach (F) erklärte am Dienstag in der "Presse", er wolle bereits "in den
nächsten Wochen" ein neues ÖBB-Dienstrecht in die parlamentarische Behandlung
schicken. Eisenbahner-Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl spricht von einer
"absoluten Kriegserklärung an die Gewerkschaft". Selbst wenn Gorbach einen neuen
Dienstrechtsentwurf auch nur in Begutachtung schicken sollte, werde wieder
gestreikt, sagte Haberzettl im Gespräch mit der APA.
"In dem Moment, wo das Thema in der parlamentarischen Diskussion auftaucht,
wird es Maßnahmen geben", so Haberzettl. Man werde dort fortsetzen, wo man vor
knapp mehr als einem Jahr aufgehört habe. Ob das neue Streiks bedeute? "Davon
können sie ausgehen", droht der Gewerkschafter. Aus Protest gegen eine Lockerung
des Kündigungsschutzes waren die ÖBB Ende 2003 in einem unbefristeten Streik
drei Tage stillgestanden.
Im Büro Gorbach bezeichnet man die neue Streikdrohung als "nicht seriös". Die
Gewerkschft solle erst "abwarten, welchen Lösungsvorschlag das Ministerium
vorlegen wird". Die Arbeiten an einem Gesetzesentwurf seien schon "sehr weit"
gediehen. Demnächst werde man einen "Basisentwurf" vorlegen, über den es dann
noch einmal einen Gesprächsentwurf geben werde. Erst danach werde man über die
detaillierte parlamentarische Vorgangsweise entscheiden.
Denkbar sei ein Initiativantrag ebenso wie eine Regierungsvorlage. Auch, ob
der Entwurf vorher noch in Begutachtung gehen wird, ist noch unklar. Man glaube
aber, dass Handlungsbedarf bestehe und dass "eine rasche Vorgehensweise
angebracht" sei, hieß es aus dem Kabinett Gorbach.
Haberzettl beruft sich darauf, dass Gorbach nach tagelangen Verhandlungen
eine Vereinbarung unterschrieben habe, wonach die Regierung auf ein neues
ÖBB-Dienstrecht verzichte. Wenn er jetzt erkenne, dass das "nicht das Gelbe vom
Ei" gewesen sei, müsse man "sich fragen, was die Unterschrift des Vizekanzlers
noch wert ist", meint der Gewerkschafter.
Hintergrund der neu entfachten Debatte ist ein Frühpensionierungswelle bei
den ÖBB. Mit Jahresbeginn hatte das Unternehmen knapp 600 Mitarbeiter in den
vorzeitigen Ruhestand versetzt. Eine entsprechende Sonderregluung hat der
Gesetzgeber den ÖBB eingeräumt, weil noch etwa 80 Prozent der ÖBBler über einen
Kündigungsschutz verfügen. Diese Pragmatisierung ist bei den ÖBB in den
jeweiligen Einzelverträgen der Bediensteten geregelt. Ob ein Gesetzeseingriff in
die Verträge verfassungskonform ist, ist fraglich.
Gorbach hofft daher im Parlament in der Frage auf eine Verfassungsmehrheit.
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat allerdings bereits klargestellt, dass seine
Partei gegen einen Eingriff in bestehende Verträge ist. "Das sieht die
österreichische Rechtskultur nicht vor", so Gusenbauer zuletzt Mitte Jänner.
(Forts. mögl.) klm/wyk
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