Eisenbahner-Jugend: "Nur
Butterbrote für Lehrlinge, dafür Millionen für Vorstände"
300 ÖBB-Lehrplätzen droht das Aus
Wien (GdE/ÖGB) - Rund 300 weniger echte
Lehrplätze und "Hungerlöhne" für in Ausbildung befindliche Jugendliche drohen
laut der Jugendabteilung der Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE-Jugend) zukünftig
bei den ÖBB. Ihrer Forderung nach Aufrechterhaltung der Lehrlingsausbildung in
vollem Umfang verlieh die Eisenbahnerjugend am Mittwoch mit einer Straßenaktion
vor dem Bundeskanzleramt Nachdruck - die dafür Verantwortlichen, Bundeskanzler
Schüssel und die zuständigen Ministern Gorbach und Bartenstein, dürften sich
nicht aus ihrer Verantwortung stehlen, kritisierte die Eisenbahner-Jugend. So
übergaben als die drei Politiker verkleidete Aktivisten vor rund 250
TeilnehmerInnen nach dem Motto "Nur mehr Butterbrote für die
Lehrlinge aber Millionen für die Vorstände" einem als Ex-ÖBB-Generaldirektor
Vorm Walde verkleideten Akteur "1,2 Millionen Euro" als Abfertigung. ++++
Unterstützt wurden die Eisenbahner-Lehrlinge bei ihrer Aktion von
GdE-Zentralsekretär Norbert Bacher, ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits,
ÖGB-Jugendvorsitzendem Jürgen Eder und KollegInnen der Jugendabteilungen der
Gewerkschaften Bau-Holz und Metall-Textil "Die Aktion verdeutlicht, welche
falsche Geisteshaltung seit der Umsetzung der ÖBB-Reform durch die Regierung
auch in der ÖBB-Ausbildungspolitik Einzug gehalten hat. Verlässt man das
Unternehmen, wird man belohnt - will man eine Ausbildung antreten, wird man
bestraft", so der Vorsitzende der GdE-Jugend, Philip Gastinger.
Erstmals in der ÖBB-Geschichte gebe es Anfang Juni noch immer keine feste
Zusage, wie viele Lehrlinge ab Herbst einen Ausbildungsplatz erhalten. Es sollen
nun nicht mehr wie bisher gut 350 Lehrlinge mit einem vollwertigen Lehrvertrag
bei den ÖBB aufgenommen werden - derzeit sind nur noch 54 Plätze fix.
Für die weiteren fast 300 Ausbildungsplätze gibt es bisher nur eine vage Zusage
einer vom Arbeitsmarktservice zu bezahlenden selbstständigen
Ausbildungseinrichtung in den ÖBB-Lehrwerkstätten, erläuterte Gastinger. Bleibt
es dabei, würde ein "Lehrling" nur mehr 225 Euro im Monat als finanzielle
Entschädigung bekommen. Über die gesamte Ausbildungszeit gerechnet bedeute dies
einen Verlust von über 70 Prozent im Vergleich zur bisher üblichen
Lehrlingsentschädigung.
Nicht nur dass die betroffenen Jugendlichen auch vom sozialrechtlichen
Standpunkt her schlechter gestellt wären. Es sei auch unklar, in wie weit sie
die Ausübung betrieblicher Mitbestimmungsrechte (u. a.
Jugendvertrauensrätewahl), die "normalen" Lehrlingen zusteht, wahrnehmen
könnten, gibt die GdE-Jugend zu bedenken. Ernüchternd seien die bisherigen
Zuweisungen: Den ÖBB-Lehrwerkstätten in Niederösterreich, Salzburg, Steiermark
und
Vorarlberg sei bis jetzt nicht ein einziger Lehrling zugewiesen worden, jenen in
Oberösterreich und Tirol nur jeweils einer, verdeutlichte Gastinger.
GdE-Zentralsekretär Norbert Bacher sagte bei der Veranstaltung, "es ist eine
Schande, dass die ÖBB-Vorstände so viele Millionen wie noch nie kassieren, aber
bei den Lehrlingen, die ohnedies nur eine geringe Entschädigung erhalten, jetzt
noch weiter gekürzt werden soll." ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits übte
Kritik an der Lehrlingspolitik der Bundesregierung, deren Ergebnis über 15.000
Jugendliche seien, die noch über keinen Ausbildungsplatz verfügen: Wenn nicht in
die Ausbildung der Jugend investiere werde, dann werde auch nicht in Zukunft
unseres Landes investiert, sagte Csörgits.
(Schluss)