APA Meldung
ÖBB-Dienstrecht -
Gewerkschaft erwartet Vorstands-Vorschläge
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APA0068/22.11 22.Nov 05
Verkehr/Bahn/ÖBB/Arbeit/Soziales
ÖBB-Dienstrecht - Gewerkschaft erwartet Vorstands-Vorschläge
Utl.: "In den nächsten Tagen" - Betriebsrat sieht jedoch nach wie vor keinen
Änderungsbedarf bei Versetzungen - Kukacka: Warten ab =
Semmering (APA) - Im Streit um eine neuerliche Änderung des ÖBB-Dienstrechts
wartet die Gewerkschaft auf die konkreten Vorschläge des Vorstands. "Wir rechnen
mit den Vorschlägen des Vorstands in den nächsten Tagen", sagte der
Zentralsekretär der Eisenbahnergewerkschaft, Norbert Bacher, am Rande einer
Tagung am Semmering. Allerdings sieht der Betriebsrat nach wie vor keinen
Änderungsbedarf bei Versetzungen, wie das Vorstand und Regierung bereits
gefordert haben. Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka (V) will dennoch die
Gespräche zwischen Vorstand und Gewerkschaft abwarten.
Hintergrund der Debatte ist laut Bahn-Chef Martin Huber, dass die ÖBB in sechs
bis sieben Jahren bei gleichen Aufgaben "mit 7.000 bis 10.000 Mitarbeitern
weniger gut funktionieren kann". Der Vorstand hat deshalb die Möglichkeit
eingefordert, dass Eisenbahner künftig auch ohne deren Zustimmung an externe
Unternehmen verleasen zu können bzw. wenn sich der betroffene dagegen wehrt,
diesen kündigen zu können, selbst wenn er über einen Kündigungsschutz verfügt.
In der Eisenbahner-Gewerkschaft verweist man darauf, dass eine solche Regelung
nicht nur dem Arbeitskräfteüberlassungsgesetz, sondern auch dem
Arbeitsverfassungsgesetz widersprechen würde. Die Belegschaftsvertretung werde
dem sicher nicht zustimmen. Es gebe "nichts, was damit und mit dem
Kollektivvertrag in den ÖBB nicht schon geregelt ist", sagte Bacher. Davon, dass
die ÖBB ein Sonderfall seien und ein derartiger Eingriff daher zulässig wäre,
könne keine Rede sein. Dienstverträge wie bei den ÖBB gebe es in Österreich
"hunderttausende".
Außerdem kann die Gewerkschaft das erhoffte Einsparungspotenzial nicht
nachvollziehen. In der ÖBB Infrastruktur Bau AG würden gemäß Personalplanung von
rund 2.600 Mitarbeitern langfristig gerade einmal 50 entbehrt werden können. Von
den anderen Bereichen liege noch keine derartige Planung vor. "Da wird es aber
ähnlich sein", glaubt Bacher. Sein Schluss: "Die ganze Aufregung zahlt sich
nicht aus."
Im ÖBB-Vorstand sieht man das allerdings anders. Eine Sanierung des Unternehmens
auf der Seite der Personalaufwendungen sei unumgänglich. Die derzeitigen
Rahmenbedingungen seien dafür "nicht förderlich", sagte
ÖBB-Personenverkehrsvorstand Wilhelmine Goldmann bei der Tagung. Derzeit
versuche das Unternehmen, die Kosten durch Auslagerungen zu reduzieren. Das
Recht zur Verleasung von Mitarbeitern würde aber die Flexibilität des
Unternehmens "sicherlich" erhöhen, so Goldmann sinngemäß.
Sollte es auf Unternehmensebene zu keiner Lösung kommen, hat die Regierung
bereits angekündigt, die entsprechende Lockerung des ÖBB-Kündigungsschutzes
gesetzlich verankern zu wollen. Die Gewerkschaft hat dagegen mit einem neuen
Eisenbahner-Streik gedroht.
Kukacka hielt sich am Montagabend zurück. Das ÖBB-Management verhandle derzeit
mit dem Betriebsrat und werde darin "die Wünsche des Unternehmens klar machen".
Die Gewerkschaft könne dabei ebenfalls "Wünsche" vorbringen - etwa im Bereich
der Arbeitszeitregelung.
Danach werde der Vorstand dem Bund berichten und erst dann werde die weitere
Vorgehensweise entschieden werden, so Kukacka.
(Schluss) klm/ggr