OFFENER BRIEF


An den Vorsitzenden
der Gewerkschaft der Eisenbahner

Wilhelm Haberzettl

Betreff: Ausgabe Nr. 05/2005 DER EISENBAHNER


Mangels Vorhandenseins tatsächlicher Angriffspunkte auf die GUG, bist du dir offenbar nicht zu schade, vermeintliche „Schwachpunkte“ zu konstruieren. Dumm nur, wenn diese Konstruktion schon bei oberflächlicher Betrachtung, wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt. Das soll aber nicht unsere Sorge sein.

Damit dir und deinen Genossen in Zukunft nicht mehr solche bewussten oder unbewussten Schnitzer passieren, hier eine kleine Aufklärungslektion:

1) Die Grünen und Unabhängigen EisenbahnerInnen – GUG sind nicht die GRÜNEN! Aus diesem Grund, haben wir auch keine Möglichkeit die Entscheidungen von Abgeordneten – egal welcher Institution – zu beeinflussen. Es gilt das Recht auf freie Mandatsausübung!
2) Die neuen Arbeitszeitregelungen werden von der GUG nicht erst, wie von dir behauptet „…im Zusammenhang mit den Betriebsratswahlen“ kritisiert, diese Kritik gibt es ab dem Zeitpunk, als ihr als Vertreter der Mehrheitsfraktion eure Unterschriften unter diese Verschlechterungen geleistet habt.
3) Weiters erlauben wir uns darauf hinzuweisen, dass die seit 2004 eingebrachten Klagen vor den Arbeits- und Sozialgerichten, auch die Änderungen beim Arbeitszeitgesetz beinhalten.
4) Wir, die Vertreter der GUG, sind gegen jede weitere Form von Liberalisierungen. Da treffen wir uns! Erinnere dich an unsere Aktion im November 2003 vor dem Parlament zu Wien. Damals verlangten wir, dass unsere Verträge eingehalten und es zu keiner Zerschlagung der ÖBB kommen dürfe.
Dieser Zerschlagung ist ja die politisch motivierte Liberalisierung vorausgegangen.
Vorschlag: Wäre es nicht höchst an der Zeit, dass wir gemeinsam die Politik davon zu überzeugen versuchen, von diesem falschen Weg abzurücken?

Abschließend: Es ist Wahlkampf und offensichtlich treten in solchen Zeiten bestimmte Verhaltenskodizes automatisch in Kraft. Um aber trotzdem einen Restwert von demokratischen Spielregeln zu gewährleisten, bin ich davon überzeugt, dass der GUG die Möglichkeit eingeräumt wird, zu deinen Anschuldigungen im Zentralorgan der Gewerkschaft der Eisenbahner, also im EISENBAHNER, Stellung zu nehmen.

In Erwartung einer fairen und eines Demokraten würdigen Entscheidung deinerseits,
verbleibe ich mit

gewerkschaftlichem Gruß


Hedenig Anton
GUG - Bundessprecher