Infrastruktur-Ausbau führt zu Schulden-Explosion bei den ÖBB
Utl.: "Die Presse": Bund muss Geld
nachschießen. Wien (APA) - Die Finanzverbindlichkeiten der ÖBB werden im Jahr
2012 bei 16,45 Mrd. Euro liegen. Dies geht aus einer Stellungnahme der ÖBB zum
Rechnungshof-Prüfbericht hervor, berichtet "Die Presse" in ihrer
Wochenendausgabe. Bisher war immer von Verbindlichkeiten in der Höhe von "nur"
14,7 Mrd. Euro die Rede - diese Zahl hat im Mai auch das Verkehrsministerium
bestätigt. Laut der 19-seitigen Stellungnahme werden bereits heuer die Schulden
stark ansteigen. Ursprünglich waren 7,7 Mrd. Euro für 2007 eingeplant - nun
sollen es um 2,2 Mrd. Euro mehr sein, und im kommenden Jahr werden bereits 11,3
Mrd. Euro erwartet. Ab dann steigen die Finanzverbindlichkeiten jährlich um rund
eine Mrd. Euro. Grund für die höheren Schulden ist der verstärkte Ausbau der
Infrastruktur - auf Pump. Bei der Präsentation der ÖBB-Bilanz im Mai sagte
ÖBB-Chef Martin Huber zum Anstieg der Verbindlichkeiten von 6,4 Mrd. Euro 2005
auf 7,8 Mrd. Euro ein Jahr später: "Wir bauen die Schieneninfrastruktur in
Österreich mit hohem Tempo aus und nehmen dafür auch steigende
Finanzverbindlichkeiten in Kauf, denn Österreich braucht eine leistungsfähige
Schieneninfrastruktur - und zwar eher heute als morgen." Man gehe akkordiert mit
dem Eigentümer vor, der Mega-Projekte wie den Ausbau der Westbahn, der neuen
Nord-Südachse mit Koralmtunnel und des Hauptbahnhofs Wien befürworte. Zu der nun
bekannt gewordenen weiteren Schulden-Explosion wollte man am Freitag bei den ÖBB
nicht Stellung nehmen, heißt es in dem Bericht. Die Folgen dieser Entwicklung
für die Steuerzahler sind allerdings leicht zu skizzieren: Längerfristig wird
der Bund Geld in die ÖBB nachschießen müssen. Im Gesetz hat sich der Bund dazu
verpflichtet, für die Verbindlichkeiten zum Bau vereinbarter Projekte
aufzukommen, wenn das Eigenkapital knapp wird. 2006 lag die Eigenkapitalquote
bei 43 Prozent (2005: 47 Prozent). Im Regierungsübereinkommen haben SPÖ und ÖVP
heuer und 2008 bereits 50 Mio. Euro, im Jahr darauf 100 Mio. Euro Zuschuss für
die ÖBB Infrastruktur Bau AG vorgesehen. Doch die finanzielle Entwicklung der
Bahn war nur ein Aspekt des noch unveröffentlichten Rechnungshof-Berichtes, in
dem die ÖBB-Organisation unter die Lupe genommen wurde. Von den Prüfern wurde -
wie berichtet - die neue Struktur der Bahn im Kern gelobt. Kritisiert wurde,
dass Huber die Bahn-Töchter zu eng an die Kandare nimmt. Zum Teil geschehe dies
mit Mitteln, die dem Aktienrecht fremd seien. In der Stellungnahme der Bahn
werden nun aber die kritisierten Konzernrichtlinien verteidigt. Nur so könne die
wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns sichergestellt werden, heißt es. Denn
die Selbstständigkeit der ÖBB-Töchter soll nicht zu einem "Auseinanderdriften
der Gesellschaften" führen. Die personellen Verflechtungen zwischen der Holding
und ihren Töchtern, die der Rechnungshof ebenfalls nicht goutierte, seien
ohnehin nur befristet vorgesehen, argumentiert die Bahn. Die Stellungnahme des
Verkehrsministeriums zum Rechnungshof-Bericht soll kommende Woche abgeschickt
werden. (Schluss) stf/mak