Infrastrukturministerin Doris Bures fordert vom Management der Staatsbahn Sparsamkeit
Bahn-Chefs verdienen weniger - Minus bei den ÖBB-Bezügen beträgt rund ein Fünftel. Auch freiwilliger Verzicht möglich. Schuldenstand der Bahn steigt bis zum Jahr 2023 stark an.
Wien. (fst) Eine Notbremsung legt die heimische Bahn bei den Bezügen ihrer
Vorstände hin. Allerdings handelt es sich dabei nicht um das Neuverhandeln
aufrechter Verträge (was etwa in der Tschechischen Republik für Staatsmanager
diskutiert wird), sondern um einen drastischen Rückgang bei den variablen
Gehaltsbestandteilen. Den Begriff Boni will der Aufsichtsratschef der
Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), Horst Pöchhacker, nicht gelten lassen: "Wir
sind nicht an der Wall Street."
Finanzwelt hin oder her, die Ursache für die Kürzungen ist gleichwohl die
weltweite Wirtschaftskrise, die mittlerweile auch den Transportsektor mit voller
Wucht getroffen hat.
Pöchhacker zufolge ist durch die Krise von einer Halbierung der variablen
Gehaltsbestandteile auszugehen. Da nach Informationen der "Wiener Zeitung" diese
wiederum rund 40 Prozent der Gesamtbezüge der Bahn-Führungskräfte ausmachen,
folgt daraus unterm Strich eine Reduktion der Bezüge um rund ein Fünftel. Das
Erreichen vereinbarter Ziele sei bei der derzeitigen wirtschaftlichen
Großwetterlage viel schwieriger geworden als früher, erklärte der oberste
Bahn-Aufseher.
Zudem steht – offenbar um mit gutem Beispiel voranzugehen und die kleinen
Eisenbahner zu motivieren – ein freiwilliger Gehaltsverzicht von ÖBB-Vorständen
im Raum. Pöchhacker bekräftigte, was Infrastrukturministerin Doris Bures im Mai
im ORF-"Report" angedeutet hatte: Unabhängig davon, welche variablen Bezüge
einem ÖBB-Manager vom Vertrag und Arbeitsrecht her zustünden, sei vorstellbar,
dass die eine oder andere Führungskraft von sich auf einen Prozentsatz der
variablen Gehaltsteile verzichte. Der oberste Bahn-Aufseher ließ durchblicken,
dass zwei Top-ÖBBler in Kürze eine entsprechende Entscheidung mitteilen könnten.
Neue ÖBB-Struktur
Generell erwartet Bures in den nächsten Monaten eine klare Abschlankung bei den
ÖBB. Mit dem neuen Strukturgesetz, das heute, Freitag, vom Nationalrat
beschlossen werden soll, sowie den riesigen Investitionen in die
Schieneninfrastruktur seien die Voraussetzungen für mehr Schlagkraft und
Effizienz in der Bahn geschaffen. "Jetzt muss die Struktur mit Leben erfüllt
werden", betonte Bures. Und hier sei das Management gefordert und "harte
Sanierungsschritte" an der einen oder anderen Stelle notwendig.
Wo genau gespart werde, bleibe Sache des Managements, sagte die Ministerin mit
Verweis auf das bereits angekündigte Sparprogramm der ÖBB im Ausmaß von rund 200
Mio. Euro. Die Beseitigung von Doppelgleisigkeiten allein durch die im Gesetz
geplante Fusion der beiden Infrastrukturgesellschaften für Bau und Betrieb
bringe 20 Mio. Euro. Insgesamt sollten die Overheads (Gemeinkosten) durch den
Umbau der Konzernstruktur sinken. Auch die in Angriff genommene
"Flexibilisierung des Mitarbeitereinsatzes" werde Einsparungen bringen. Ob es
auch zu einer Reduktion der Mitarbeiter kommen werde, wollte die Ministerin
nicht sagen. Dies sei nicht das vorrangige Ziel, werde sich aber schon allein
durch die natürliche Fluktuation ergeben, hieß es aus dem Ministerium.
Bis 2014 sind die jährlichen Ausgaben im aktuellen Rahmenplan des
Infrastrukturministeriums bereits abgestimmt, ebenso wie die Rückzahlungen aus
dem Bundeshaushalt an die ÖBB. Die Bahn muss die Investitionen quasi
vorfinanzieren, damit sie für die Republik nicht budgetwirksam werden. Das
erhöht den Schuldenberg der Bahn – auf dem Papier – bis 2023 auf mehr als 26
Mrd. Euro. Der Bund hat sich verpflichtet, die Ausgaben – im Schnitt zu 70
Prozent – über 30 Jahre abzuzahlen. Spätestens ab 2023 sollten daher die
Verbindlichkeiten der ÖBB nach den Prognosen des Ministeriums wieder langsam
sinken.