vida-Kaske: EU-Parlament muss Forderung nach sozialerem Europa ernst nehmen
Utl.: In der Wirtschaftpolitik müssen sich Geld- und Budgetpolitik mit der Lohnentwicklung die Waage halten - Klimapolitik soll Beschäftigungsimpulse setzen
Wien (vida/ÖGB) - "In der kommenden Legislaturperiode bis 2014 gilt es für
das neue EU-Parlament, wichtige Weichenstellungen für die europäischen
ArbeitnehmerInnen vorzunehmen: Die Bestätigung der neuen EU-Kommission,
Maßnahmen für eine effektive Regulierung der Finanzmärkte und die Überarbeitung
der Entsenderichtlinie sind nur einige Beispiele hiefür", erklärt der
Vorsitzende der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, Rudolf Kaske, im
Vorfeld der von 14. bis 16. Juli 2009 stattfindenden konstituierenden Sitzung
des neu gewählten Europäischen Parlaments. Kaske fordert insbesondere die
Annahme eines sozialen Fortschrittsprotokolls gegen das soziale Ungleichgewicht
in der EU durch das Parlament ein - die Forderungen der Gewerkschaften und
anderer Arbeitnehmerinteressenorganisationen nach einem sozialeren Europa müsse
endlich ernst genommen und mit Leben erfüllt werden. "Die Leute haben von
Schlagworten genug, sie wollen endlich Taten und Ergebnisse sehen", betonte der
Gewerkschafter.
Auch wenn der Reformvertrag von Lissabon noch nicht in Kraft ist, so sei das
Europäische Parlament ein entscheidendes Gremium innerhalb der EU, so der
vida-Vorsitzende. "Für die nächsten Jahre haben die Menschen zu Recht große
Erwartungen und positive Hoffnungen in die EU und die Abgeordneten zum
EU-Parlament", hält Kaske fest. "Denn viele politische und gesellschaftliche
Herausforderungen wie die aktuelle Finanzwirtschaftskrise haben gezeigt:
Gemeinsame Strategien in der EU sind erfolgversprechend", so der
vida-Vorsitzende.
"Wenn die EU den Erwartungen der Bürger gerecht werden soll, muss sie stärker
sozial ausgerichtet werden", fordert Kaske. Dazu zähle der Schutz der
öffentlichen Dienstleistungen, die immer wieder als ein Kernelement des
europäischen Sozialmodells bezeichnet, aber dem Liberalisierungsdruck
unterliegen würden. Der vida-Vorsitzende verweist in diesem Zusammenhang auch
auf notwendige Maßnahmen gegen Lohn- und Sozialdumping, zum Beispiel beim
grenzüberschreitenden Einsatz von ArbeitnehmerInnen und bei der Entsendung von
ArbeitnehmerInnen aus Drittstaaten.
Für ausreichend Wachstum und Beschäftigung in der EU bedürfe es einer
Neuausrichtung der europäischen Politik im Wirtschaftsbereich. "Das heißt, sagte
Kaske, "wir brauchen eine Wirtschaftpolitik, in der sich Geld- und Budgetpolitik
mit der Lohnentwicklung die Waage halten, damit die Konjunktur und Kaufkraft
sowie der Arbeitsmarkt anspringen." Neben der Verankerung EU-weiter sozialer
Mindeststandards, um Lohn- und Sozialdumping einen Riegel vorzuschieben,
verlangt der Gewerkschafter europaweit auch klare einheitliche technische und
soziale Standards in den Bereichen ArbeitnehmerInnenschutz, berufliche
Qualifikation, Berufszugangsvoraussetzungen, Umwelt sowie im Bereich der Aus-
und Weiterbildung.
Beim Kampf gegen den Klimawandel gehe es darum, die europäische Klimapolitik
langfristig so zu gestalten, dass sie auch positive Nebeneffekte wie etwa einen
Impuls für die Beschäftigung habe. Besonderen Handlungsbedarf ortet Kaske in
diesem Zusammenhang in der Verkehrspolitik, weil gerade der Verkehr in der EU
seit 1990 stark angestiegen sei. "Priorität muss deshalb die Umsetzung des
Ausbaus von Verkehrsinfrastrukturen und Verkehrsdienstleistungen für
umweltfreundlichere Verkehrsträger wie Schiene, öffentlicher Verkehr und
Wasserstraßen haben", unterstreicht der vida-Vorsitzende. (Schluss)