Schlüsselbranchen Transport- und Logistik in Gewerkschaft vida stark organisiert!
vida-Sektion Verkehr fordert wirksame
Maßnahmen gegen
Sozialbetrug - Faymann plädiert für Ausbau der Schiene und europaweite
Kerosinbesteuerung
Wien (vida/ÖGB) - "Die Transport- und
Logistikbranche hat im globalen Wettbewerb eine Schlüsselfunktion inne", betonte
der Vorsitzende der Sektion Verkehr in der Gewerkschaft vida, Wilhelm Haberzettl,
im Rahmen der 1. Bundeskonferenz der vida-Sektion Verkehr am Freitag in Wien. Da
der Trend in der Wirtschaft zur Reduktion von Lagerhaltungskosten anhalte, sei
ohne Transport und Logistik heute jegliche arbeitsteilige wirtschaftliche
Aktivität praktisch unmöglich geworden, erklärte Haberzettl. "Das bedeutet auch,
dieses System ist gegen Störungen empfindlich und umso stärker ist deshalb auch
die
Verhandlungsposition einer gut organisierten Gewerkschaft", erörterte Haberzettl.
"Diese große Chance haben wir mit der Gründung von vida ergriffen. Denn in der
vida-Sektion Verkehr sind nun die Transport- und Logistikbereiche von Schiene,
Straße, Luft- und Schifffahrt als starke Interessenvertretung für die
Beschäftigten organisiert", ergänzte der stellvertretende vida-Vorsitzende. ++++
Die Sozial- und Arbeitsbedingungen im Transportsektor würden immer wieder mit
Füßen getreten. Vor diesen Tatsachen und vor den sozialen Gesichtspunkten bei
Liberalisierungen im Schienenbereich und im Sektor des öffentlichen
Personennahverkehrs habe die EU-Kommission bewusst die Augen verschlossen,
kritisierte Haberzettl. Bei Arbeitskonflikten könnten die in vida vereinten
Verkehrsbereiche jetzt geschlossen zur Durchsetzung ihrer Interessen auftreten.
"Wir organisieren nun gewerkschaftlich fast sämtliche Beschäftigten in der
gesamten Logistik- und Lieferkette in Österreich."
vida setzt auch verstärkt auf europäische und internationale gewerkschaftliche
Zusammenarbeit: "Auf diese Weise kann dem organisierten und
grenzüberschreitenden Sozialbetrug wirksam das Wasser abgegraben werden",
unterstrich Haberzettl. Oftmals werden heimische Kollektivverträge durch
Betriebsauslagerungen von Transportunternehmungen in andere Staaten umgangen. In
den meisten Fällen erfolge die geschäftliche Gebarung und Disposition aber nach
wie vor noch in Österreich. "Wir fordern deshalb, dass Generalunternehmer für
ihre Subunternehmen für die korrekte Entrichtung aller Sozialabgaben und die
Einhaltung der Kollektivvertragslöhne samt den arbeitsrechtlichen Bestimmungen
haften müssen", sagte der Sektionsvorsitzende.
"Österreich muss endlich fit gegen systematischen Sozialbetrug gemacht werden",
forderte Haberzettl weiter. Speziell die Bereiche Straße und Schifffahrt seien
davon betroffen. Dazu seien aber nicht nur gewerkschaftliche Maßnahmen, sondern
auch weitere gesetzliche Maßnahmen, was Strafausmaß und Kontrollen betrifft
notwendig, bekräftigte Haberzettl.
Faymann: Ausbau der Schiene einzige Chance zur Bewältigung des Verkehrs
Ehrengast Infrastrukturminister Werner Faymann legte im Rahmen seiner Rede ein
Bekenntnis zum Ausbau der Schiene ab: Es gebe keine Chance, den Verkehr in
Zukunft alleine auf der Straße zu bewältigen. Schon aus topographischen Gründen
könne man in Österreich nicht ewig Straßen bauen. Ein weiterer Grund für den
Ausbau der Bahn sei laut Faymann, dass der ansteigende Verkehr ein "wesentlicher
Hauptgegner des Klimaschutzes" ist. Als Alternative dazu bleibe Europa nur der
Ausbau der Schiene. Dazu sei es notwendig, "auch in Österreich unsere
Hausaufgaben zu machen". Es bedürfe "kluger Wege der Finanzierung" und
Investitionen von 20 Mrd. Euro bis 2020, um die Bahn konkurrenzfähig zu machen.
Mit dem Rahmenplan sei ein Grundstein für
die Finanzierung gelegt worden, erklärte der Infrastrukturminister.
"Die Bahn ist das Herzstück meines Ministeriums", sagte Faymann weiter. "Ein
wettbewerbsfähiger Betrieb ist die Voraussetzung dafür, dass die Bahn in
Österreich eine Zukunft hat - über 40.000 Beschäftigte haben aber auch in der
Vergangenheit gute Arbeit geleistet." Die Führung eines Unternehmens habe
Rücksicht darauf zu nehmen, wie die Zukunft in ihrem Bereich aussieht, setzte
der Minister nach.
Faymann forderte auch eine weltweite Kerosinsteuer, denn man könne Bahn und
Straße in der Besteuerung nicht schlechter stellen. "Der Weg dahin ist mühsam",
so der Minister. Eine Einführung der Kerosinbesteuerung könne aus Gründen der
Konkurrenzfähigkeit aber nicht alleine in Österreich erfolgen: "In Europa muss
es auf Dauer eine Kerosinsteuer geben", sprach sich Faymann für Kostenwahrheit
und Klimaschutz aus. "Wir sind auch sehr stark für eine österreichische
Fluglinie und einen österreichischen Flughafen", denn der Wirtschaftsstandort
lebe auch von einer eigenen Fluglinie. Lohn- und
Sozialdumping könnten jedenfalls nicht die Grundlagen eines Wirtschaftsstandorts
sein, fügte der Minister hinzu.
Zum Vorsitzenden des vida-Bundessektionspräsidiums Verkehr wurde der ehemalige
Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft Wilhelm Haberzettl mit 96,62 Prozent der
Delegiertenstimmen gewählt. Seine Stellvertreter sind Gottfried Winkler (96,62
Prozent), Franz Altenburger (96,62 Prozent) und Dieter Rozboril (97,75 Prozent).
ÖGB, 25. Mai 2007 Nr. 350
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