Ländern fordern, Bund soll Finanz-Loch im ÖBB -Betrieb stopfen.
Die österreichischen Landeshauptleute haben am
Freitag den Bund zu Mehrausgaben für den Bahnverkehr aufgefordert. Grund dafür
ist eine Finanzierungslücke im Personennah- und Regionalverkehr.
Die aktuelle Situation sei "dadurch gekennzeichnet, dass die ÖBB ein Defizit im
laufenden Betrieb haben und die Aufrechterhaltung ihres Leistungsumfanges von
weiteren Zahlungen der Länder abhängig machen". Der Bund stehe "nicht zu einer
zugesagten Garantie des Grundangebotes im Schienenverkehr" und gewähre "nicht
die zugesagten Gelder für Zusatzbestellungen der Länder", hieß es in einer auf
der LH-Konferenz in Salzburg verabschiedeten Resolution.
Wie aus ÖBB -Expertenkreisen verlautet, geht es um an die 150 Mio. Euro im Jahr,
die mittelfristig nicht gedeckt sind. Zwar sei man in den vergangenen Jahren mit
den Mitteln ausgekommen. Weil aber in den vergangenen Jahrzehnten nichts in neue
Züge investiert worden sei, habe es keine Abschreibungen in der Bilanz gegeben.
Über 500 Waggons sind derzeit mehr als 30 Jahre alt.
Zuletzt hat die ÖBB -Flotte aber kräftigen Neuzugang bekommen: 171 neue
strombetriebene Regionalzüge des Typs Talent, 240 Doppelstock-Garnituren und 60
Dieseltriebfahrzeuge (Desiro). 100 neue Schnellbahnen sollen heuer
ausgeschrieben werden. Die müssen auch abgeschrieben werden. Außerdem habe das
Unternehmen zum Teil auch von der Auflösung von Rückstellungen gelebt, hieß es.
Im Bundesbudget für 2008 sind derzeit nur etwa 65 Mio. Euro mehr vorgesehen, 50
Mio. Euro mehr für Gemeinwirtschaftliche Leistungen, 14 Mio. Euro mehr für die
Verkehrsverbünde der Länder.
Die Länder berufen sich nun darauf, dass der Bund bei der letzten
Nahverkehrsreform 1999 zugesichert habe, das Grundangebot im Schienenverkehr
sicherzustellen. Tatsächlich sei die Aufrechterhaltung des öffentlichen
Personennah- und Regionalverkehrs (ÖPNRV) im derzeitigen Ausmaß "nur durch
zusätzliche Übernahmen von Lasten durch die Länder möglich gewesen, so dass der
Bund im Ergebnis Lasten auf die Länder überwälzte beziehungsweise das
Kostenrisiko weitgehend bei den Ländern" liege, kritisierten die
Bundesländer-Chefs.
Sie verlangen vom Bund jetzt eine neue Garantie für "die Sicherung des
Grundangebots auf der Basis des Fahrplanjahres 2005/06", die "unverzügliche
Ausfinanzierung der ÖBB ", die "sofortige Aufstockung der Bundesmittel für
zusätzliche Verkehre" und "ein Gesamtkonzept für den öffentlichen Verkehr unter
Berücksichtigung der Länderinteressen". Ziel ist eine komplett neue
Finanzierungsvereinbarung.
Geht es nach den ÖBB -Fachleuten, sollen die Pläne für eine komplette
Neugestaltung der Nahverkehrsfinanzierung wiederbelebt werden. Die frühere
Regierung war mit den Plänen wegen der Uneinigkeit mit den Ländern über Höhe und
Verteilung der Mittel gescheitert. Mit der Reform sollte die Bestellung von
Verkehrsdienstleistungen bei den Ländern gebündelt werden. Derzeit ist die
Bestellung zwischen Bund, Ländern und Verkehrsverbünden geteilt.