Postler-Abbau durch die Hintertüre
Künftig können Mitarbeiter die volle
Beamten-Pension erhalten, auch wenn sie in die Privatwirtschaft bzw. innerhalb
des Unternehmens in einen Angestellten-Vertrag wechseln Wien – Für die
Mitarbeiter der Post, Telekom Austria und beim ÖBB-Postbus könnte sich demnächst
einiges ändern. Denn die Unternehmen haben mit der Gewerkschaft eine Einigung
über ein neues Karenzierungsmodell für Beamte erzielt. Künftig können dadurch
die Mitarbeiter dennoch die volle Beamten-Pension erhalten, auch wenn sie in die
Privatwirtschaft bzw. innerhalb des Unternehmens in einen Angestellten-Vertrag
wechseln oder wenn sie sich bis zur Pension karenzieren lassen. Dafür notwendig
ist allerdings eine Änderung im Beamtendienstrecht, die im Ministerrat und im
Parlament noch bestätigt werden muss. Beamtenministerin Doris Bures wartet noch
auf die Vorlage der Einigung. Nach der Vereinbarung werden Unternehmen und
Mitarbeiter den Aufschlag auf die Differenz zwischen dem Beamtenpensionsbeitrag
und dem niedrigeren ASVG-Beitrag bis zum tatsächlichen Pensionsantritt
fortzahlen. Bisher war eine solche Regelung per Gesetz auf fünf Jahre befristet.
Jegliche Karenzierung kann aber weiterhin nur mit Zustimmung des Betroffenen
erfolgen.
Kein Massenwechsel
Theoretisch könnte sich durch die Neuregelung nun ein über 50-jähriger
Telekom-Mitarbeiter bis zu seiner Pension außer Dienst stellen lassen. Das
Unternehmen könnte das dem Mitarbeiter mit einem Golden Handshake schmackhaft
machen und so seine Personalziele trotz des Kündigungsschutzes für seine Beamten
erreichen. Wirklich realistisch ist das allerdings nach Einschätzung des
Betriebsrats nicht. "Wir haben uns ausgerechnet, dass das Unternehmen im Schnitt
einem Betroffenen, der noch zwölf bis 13 Jahre zur Pension hat, rund 500.000
Euro zahlen müsste, damit das Angebot für ihn attraktiv wäre", sagte
Telekom-Austria-Betriebsratschef Michael Kolek.
Ein Massenwechsel der Beamten ins Angestelltenverhältnis ist auch laut
Gewerkschaft nicht in Sicht. Wirklich lohnen dürfte sich das nur für
höherrangige Führungskräfte, die als Angestellte deutlich mehr verdienen können
als im Beamten-Schema. Beamte im mittleren und unteren Einkommensbereich würden
als Angestellte wohl kaum mehr Gehalt erhalten. (APA, DER STANDARD;
Print-Ausgabe, 17.9.2007)