Schuldenkurs bleibt aufrecht
Auch Personaleinsparungen blieben laut Rechnungshof unter Plan
Wien – Im Infrastrukturministerium wollte man
zum Rechnungshof-Rohbericht am Dienstag gar nichts sagen. Schon gar nicht über
mögliche Konsequenzen aus der scharfen Kritik an der Umsetzung der ÖBB-Reform.
"Das Ministerium und die ÖBB haben drei Monate Zeit für eine Stellungnahme und
daran arbeite man", sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Werner Faymann
knapp.
Mit dem Auswechseln von Köpfen in diversen ÖBB-Aufsichtsräten und einer
Aufstockung des zweiköpfigen Holding-Vorstands um ein drittes Vorstandsmitglied
wird es wohl nicht getan sein. Wenngleich damit ab 29. Mai für mehr Kontrolle
und Transparenz gesorgt sein dürfte, wie es im Faymann-Ministerium hoffnungsvoll
heißt. Vermutlich bekommt der für die ÖBB zuständige Minister damit mehr
direkten Einfluss, als er sich unter den durchwegs Bahn-fremden
Aufsichtsratsmitgliedern bisher zugestanden hat. Ob das mit dem Aktienrecht
kompatibel sein wird, bleibt abzuwarten.
Die grüne Verkehrssprecherin Gabriela Moser sieht sich nach erster Durchsicht
des Konvoluts in ihrer Kritik an der ÖBB-Reform bestätigt. Sie spricht sich aber
nicht a priori für eine große Reform der Reform aus, sondern pocht auf eine
gewisse Selbstständigkeit in der Unternehmensführung. "Die Kontrolle durch
Parlament, Rechnungshof und Volksanwaltschaft muss aber unbedingt gewahrt sein",
sagt Moser, das sei derzeit nicht der Fall. "Im Gegenteil, parlamentarische
Anfragen werden unter dem Deckmantel des Aktienrechts schlicht ignoriert."
Kritik übt der Rechnungshof übrigens nicht nur an Unternehmenssteuerung und
internen Abläufen, sondern auch an den wirtschaftlichen Zielen. Glatt verfehlt,
nämlich in Köpfen gerechnet um 22 Prozent, wird laut Berechnungen des RH bis
2010 auch das Ziel der Personaleinsparungen. Das liegt natürlich vor allem an
den Änderungen des ÖBB-Dienstrechts, die die Regierung in den Jahren 2003 und
2004 nicht durchbrachte, weil die Eisenbahnergewerkschaft tagelang streikte und
den Bahnbetrieb lahm legte.
Die Golden Handshakes, also die Abfertigungen, mit denen für de facto
pragmatisierte Eisenbahner zum freiwilligen Abgang bewogen werden sollen, nahmen
bis November 2006 bescheidene 1400 Bedienstete in Anspruch. Dafür verursachte
die Regelung einen Aufwand von 44,3 Millionen Euro. Verfehlt wird nach
derzeitiger Lage auch das Ziel, den Finanzbedarf für das Gesamtsystem ÖBB
einzudämmen. Vom Bund kommen nach wie vor 3,4 Milliarden Euro und rund eine
Milliarde muss über Kredite und Anleihen aufgebracht werden.
(ung, DER STANDARD Printausgabe 09.05.2007)