Wenig Hoffnung auf Hilfe aus dem Nachbarland
Österreichs Lokführer lassen sich bei uns kaum einsetzen
MÜNCHEN Anton Hedenig hat vollstes Vertrauen in
seine Kollegen: "Ich glaube nicht, dass ein österreichischer Lokführer so
unsolidarisch sein wird und sich als Streikbrecher in Deutschland betätigt",
sagt er. Hedenig ist seit 27 Jahren Eisenbahngewerkschafter und im
Bundesvorstand der österreichischen Vida - der Gewerkschaft, in der die
Eisenbahner organisiert sind.
Und die sind mittlerweile Teil der Planspiele, die die Deutsche Bahn im Kampf
mit der Lokführer-Gewerkschaft GdL entwirft. Die Bahn spielt mit dem Gedanken,
die Lücken, die ein Lokführerstreik reisst, mit Ersatzleuten aus Österreich und
der Schweiz zu füllen. Am Wochenende hatte ein Bahnsprecher sich so geäussert.
Der Konzern zog die Aussage zurück - ein Dementi gab es aber nicht.
In Österreich allerdings stossen die Ideen auf Unverständnis. "Ich gehe davon
aus, dass so etwas nicht stattfinden wird", sagt Alfred Ruhaltinger, der
Sprecher der österreichischen Bundesbahn (ÖBB). Es gebe noch keine Anfrage der
Deutschen Bahn.
Aber auch sonst ist ein Einsatz ausländischer Lokführer auf deutschen Strecken
unwahrscheinlich. "Dazu ist Streckenkenntnis vorgeschrieben", sagt Ruhaltinger.
Das heisst: Wer in Deutschland einen Zug fahren will, muss für jede Strecke eine
Prüfung ablegen. Das haben zwar knapp 200 der rund 4500 österreichischen
Lokführer getan - allerdings nur für bestimmte Strecken, die sie regelmässig im
Transitverkehr befahren.
"Man kann nicht wahllos auf irgendwelche Lokführer als Ersatz zurückgreifen",
sagt deshalb auch Gewerkschafter Hedenig. Schon deshalb, weil nicht nur für die
Strecken eigene Prüfungen erforderlich sind - sondern auch für jeden Zugtyp.
Beide Prüfungen dauerten mehrere Wochen. Dass ein österreichischer Lokführer
etwa Pendler von Ingolstadt nach München fahre, sei daher "kurzfristig kaum
vorstellbar", meint Hedenig.
Ohnehin ist die Bereitschaft, Lokführer an die Deutsche Bahn auszuleihen, im
Nachbarland nicht gross. Ähnlich wie in Deutschland ist auch die österreichische
Bahn mit Lokführern nicht gerade üppig ausgestattet. "Wir brauchen unsere
Lokführer selbst", sagt ÖBB-Sprecher Ruhaltinger. Und Gewerkschaftsmann Hedenig
fürchtet gar: "Wir sind so wenig Leute - wenn wir die auch noch ausleihen
würden, bricht bei uns der Fahrplan zusammen." aja
(c) Verlag DIE ABENDZEITUNG GmbH & Co KG
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