Ärger der Betriebsräte bei Austrian Airlines
Gewerkschaft will KV-Abschluss für Bodenpersonal über Inflationsrate.
Der Ärger der Betriebsräte der Austrian
Airlines (AUA) über das vom Vorstand vorgelegte flexible Gehaltsmodell für das
Bodenpersonal schwelt weiter. Bei einem Pressegespräch in Wien gab es am
Dienstag zudem heftige Kritik an Finanzvorstand Thomas Kleibl und AUA-Chef
Alfred Ötsch. Es fielen die Worte "Abzocke" und "Managementfehler". Verhandeln
will man trotzdem weiter - über einen KV-Abschluss in spätestens drei Wochen,
der über der Inflationsrate liegen soll.
Alfred Junghans, Chef des Bodenbetriebsrates der AUA, zeigt sich
gesprächsbereit, auch wenn AUA-Chef Ötsch bisher keinen Kontakt gesucht habe.
Bei der heutigen "historischen Betriebsversammlung" - erstmals seit 15 Jahren
wurde diese gemeinsam mit dem Bordpersonal abgehalten - sei der Betriebsrat von
der AUA-Belegschaft ermächtigt worden, auch einen Streik zu organisieren. Streik
steht für Betriebsräte derzeit jedoch nicht am Programm. Man wolle "so rasch wie
möglich einen konkreten KV-Abschluss mit moderaten Reallohnzuwächsen".
Auch Karl Proyer, Chefverhandler der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck,
Journalismus, Papier (GPA-DJP), will "vernünftige Verhandlungen" und einen
Abschluss in den nächsten drei Wochen. Die Gehaltsvorschläge des AUA-Chefs, die
nichts anderes als eine Gehaltskürzung bedeuten würden, stünden nicht zur
Debatte. Wenn es in angemessener Zeit zu keiner Lösung komme, werde man weitere
Betriebsversammlungen einberufen.
Der noch ausständige KV-Abschluss vom Ende des Vorjahres betrifft 3.650
Beschäftigte im kaufmännischen und technischen Bereich. Davon fallen bis zu 220
Mitarbeiter in den "Sozialplan", d.h. sie müssen bis Mitte 2008 gehen.
Auch für das Bordpersonal - insgesamt rund 3.200 Piloten und Flugbegleiter - hat
es nach Angaben von Bordbetriebsrats-Chef Michael Eder seit Jahren keine
Reallohnerhöhungen mehr gegeben, nur die Inflation wurde abgegolten.
Für Robert Hengster, zuständiger Fachsekretär für Luftfahrt in der Gewerkschaft
vida, ist es eine miserable Optik, wenn rund 1.000 Leute abgebaut werden müssten
und sich der Vorstand gleichzeitig eine 30-prozentige Gehaltserhöhung verpasse.
"Wir brauchen einen professionell agierenden Vorstand", so Hengster, auch im
Hinblick auf das genehmigte Stock-Options-Programm, für das sich der
AUA-Vorstand erst kürzlich die Latte etwas höher gelegt hat. Der Vorstand sollte
nicht den Eindruck erwecken, Durchgangsmanager zu sein, legte Junghans nach, und
Eder verdeutlichte: "Herkommen, abcashen und hinter mir die Sintflut".
Damit seien der österreichischen Fluglinie Beträge in dreistelliger
Millionenhöhe entgangen. "Wenn man diese Beträge nimmt, stünde die AUA auf
gesunden Füßen", so der Vorwurf Eders. Die im flexiblen Gehaltsmodell
vorgesehenen Einsparungen beim Personal würden indes nur bis zu 20 Mio. Euro
bringen.
Quelle: APA